Lassen Sie es sich gut gehen - damit es Ihnen besser geht

Ich habe eine Coaching-Klientin, die seit ein paar Wochen fleißig daran arbeitet, mehr Freude und Glück in ihrem Leben zuzulassen. Vorgestern fragte sich mich, ob es denn in Ordnung sei, es sich in der aktuellen Situation so richtig gut gehen zu lassen. Jetzt, wo viele andere unter den Auswirkungen von Corona leiden, um ihre wirtschaftliche Existenz bangen müssen, und, gerade im Gesundheitswesen, Unglaubliches leisten müssen. 

Ich habe dazu eine ganz klare Meinung: Ja, unbedingt! Die Positive Psychologie hat nachgewiesen, dass das Empfinden von Freude, Dankbarkeit und Genuss maßgeblich zu unserem Wohlbefinden beitragen. 

Ich vermute, Sie kennen die Geschichte von den zwei Wölfen. Der Urheber ist nicht bekannt, die Geschichte kursiert in unterschiedlichen Varianten in Büchern und im Netz, ich gebe sie hier aus meinem Gedächtnis wieder: 

Ein alter Indianer sitzt mit seinem Enkel abends am Lagerfeuer. Sie schauen dem Spiel der Flammen zu, und der Großvater sagt: Licht und Dunkelheit kämpfen miteinander, wie die zwei Wölfe, die in unseren Herzen wohnen. Der Junge fragt den Großvater, was es mit diesen Wölfen auf sich hat, und der alte Mann erklärt ihm: „In jedem Menschen wohnen zwei Wölfe, ein weißer und ein schwarzer, die miteinander kämpfen. Der weiße Wolf führt seinen Kampf mit Freude, Dankbarkeit, Liebe, Hoffnung, Mitgefühl, Zuversicht, Wahrhaftigkeit und Güte. Er steht für alles Gute im Menschen. Der schwarze Wolf hingegen führt den Kampf mit Ärger, Neid, Eifersucht, Angst, Gier, Lügen, Hass und Groll. Er steht für die schlechten Anteile in uns. Der Kampf zwischen diesen beiden findet in Dir, in mir und in allen Menschen statt. Der Enkel denkt eine Weile nach und fragt dann, welcher der Wölfe denn den Kampf gewinnen wird. „Der den Du fütterst“, antwortet der Großvater. 

Ich mag diese Geschichte sehr, denn sie verbildlicht wunderschön, was die Wissenschaft erforscht hat. Die Gefühle, die wir „füttern“ und fördern sind es, die in uns die Oberhand gewinnen. 

Ein Grund mehr, dass wir es uns, gerade in herausfordernden Zeiten wie diesen, gut gehen lassen. Die dunklen Anteile sind ja mit all dem Bedrohlichen und Verunsichernden, das die Nachrichten uns täglich berichten, gut gefüttert. Hinzu kommen all die ungewohnte Sorgen und Herausforderungen, die uns auf unterschiedlichste Art und Weise betreffen: Einige Menschen haben, bedingt durch ihr Alter oder ihre Konstitution, große Angst, an dem Virus zu erkranken, andere sorgen sich um ihre Angehörigen. Viele Selbstständige durchleben extreme, existenzielle Ängste, dass ihre Geschäfte die Corona-Krise nicht überleben werden, zahlreiche Arbeitnehmer bangen um ihre Jobs oder müssen mit Kurzarbeitergeld hohe Lebenshaltungskosten decken. Aber auch weniger Existenzielles, wie die 24/7-Kinderbetreuung oder die Ausgangsbeschränkungen, bringt ein großes Konfliktpotential mit sich. Die einen leiden darunter, weil man plötzlich so eng aufeinander sitzt, die anderen, gerade Alleinlebende, fühlen sich einsam und sozial isoliert. 

Gerade in schwierigen, krisenhaften Zeiten ist es um so wichtiger, ein Gegengewicht aufzubauen. Den Fokus auf das Gute zu legen. Auf das, was trotz allem schön ist und wofür wir dankbar sind. Auch, wenn das in Situationen wie jetzt schwierig erscheint: Es lässt sich lernen, den Blick vom Schlechten aufs Gute zu lenken. Und je mehr Übung man hat, um so einfacher und selbstverständlicher wird es. Hilfreich, um das zu lernen ist, sich bewusst Freude zu bereiten. Genuss braucht in der Regel Zeit. Und davon haben wir nun, in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen, mehr als sonst. Sich ein schönes Essen kochen, einen ausgedehnten Spaziergang ganz für sich alleine zu unternehmen, ein luxuriöses Schaumbad mit schöner Musik und Kerzenlicht, ein gutes Buch lesen, in Ruhe mit dem Partner bei einem Glas Wein zusammensitzen und reden - all das sind Dinge, die oft in der Hektik des Alltags untergehen. Was wollten Sie schon lange mal wieder machen? Schreiben Sie das gerne in den Kommentar, so können wir uns gegenseitig inspirieren. Ich zum Beispiel will schon seit über zehn Jahren (kein Scherz!) mal wieder selber Nudeln machen. Das werde ich jetzt in den nächsten Tagen tun. 

Nehmen wir uns die Zeit, die wir jetzt haben. „Veränderung leben“ lautet der Slogan auf meiner Website. Es ist mein Coaching-Ansatz: auf Veränderungen, die uns das Leben bringt, angemessen reagieren; das Bestmögliche aus einer Situation machen und so aus der Ohnmacht herauskommen und handlungsfähig bleiben.

Also, lassen Sie es sich gut gehen, so gut, wie möglich. Lassen Sie sich ein Bad ein, kochen Sie sich was Feines, nehmen Sie sich Zeit für einen ausgiebigen Spaziergang ganz für sich allein, rufen Sie Ihre Freunde an. Sie brauchen noch mehr Impulse? Dann melden Sie sich für mein kostenloses Selbstfürsorge-Erstgespräch an. Und dann lassen Sie am Abend, bevor Sie sich schlafen legen, noch mal Revue passieren, was Ihnen heute Freude bereitet hat, was Sie dankbar sein lässt. Machen Sie sich vielleicht sogar Notizen dazu, das können auch nur ein, zwei Stichwörter in Ihrem Kalender sein. Dann bleibt mehr hängen von der Freude und den guten Gefühlen, und dann können wir gestärkt und gelassener auf die Herausforderungen der Krise reagieren. 

Alles Gute!

Ihre Eva-Maria Prokop

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Über Blumen, Selbstliebe und den ersten Schnee